www.soeder.photos

part of muso.de

Technische Denkmäler in Thüringen, Juni 15

Ein Wochenende auf den Spuren der alten technischen Denkmäler, die Reise begann in Saalfeld/Saale, im Panorama zu sehen ist der Marktplatz von Saalfeld

Die technische Reise begann dann in der zum Museum gewordenen Metallschraubenfabrik in Graba/Saalfeld; das „Museum“ wurde so konserviert als ob die Arbeiter gerade vor 30 Minuten Feierabend gemacht hatten, aber so lange stehen die Maschinen noch gar nicht still, begonnen wurde die Produktion kurz nach der Jahrhundertwende 1900 und sie wurde erst 1990 beendet. Zu sehen sind noch Arbeitsmaschinen, Transmissionen und die Antriebsmaschinen:

 


Weiter ging es in der Gasmaschinenzentrale in Unterwellenborn, diese wurde zwischen 1921 und 1928 erbaut und versorgte die Maxhütte mit dem notwendigen Hochofenwind sowie die Pressluft für das Thomas-Stahlwerk; einer der 7 Gasdynamo von Thyssen sind erhalten geblieben:

Wirkungsweise der Gasdynamomaschine
Das Antriebsteil der Thyssen-Gasdynamomaschine DT 14 ist ein doppeltwirkender Zweizylinder-Viertakt-Gichtgasmotor in Tandembauart.

Zu den Mischkästen auf den beiden Zylindern führt neben der Gasleitung noc he eine Leitung zum Ansaugen atmosphärischer Luft. Die Mischkästen sind zusätzlich mit einem Spülluftsystem ausgerüstet. Als Spülluft dient Hochofenwind mit einem Druck von 0,1 MPa.

Das Anfahren der Maschine erfolgt mit 25 atü (2,5 MPa) Preßluftdruck. Der Anfahrkompressor befindet sich im Maschinenkeller und hat eine Leistung von 480 Nm³/h. Die Druckluft wird in 4 Druckluftflaschen von je 6,3 m³ gespeichert und von hier aus durch nockengesteuerte Druckventile abwechselnd in die Köpfe 1 und 2 am Zylinder 1 gepreßt. Erst nach dem Zünden der Maschine wird die Preßluftzufuhr abgestellt.

Das Gichtgas wird beim Einsaugen in den Verbrennungsraum mit atmosphärischer Luft gemischt. Die Gaszufuhr erfolgt von der Trockengasreinigung über eine 1700er Gasleitung. Ein Gasometer mit 12500 Nm³ Fassungsvermögen dient zum Druckausgleich im Gasnetz und zur Notreserve. Die am oberen Teil der Zylinder in den Mischkästen eingesetzten Einlaßventile und die Auslaßventile am unteren Teil der Zylinder steuern das Einströmen dieses Gas-Luftgemisches in den Verbrennungsraum und den Spülluftdurchfluß zum Kühlen und Spülen der Einlaßventile und der Verbrennungsräume.
Alle Ventile werden von der Steuerwelle über Exzenter, Gestänge und Hebel gesteuert.

Abreißzündung
Zum Zünden des Gas-Luftgemisches sind in jedem Verbrennungsraum drei gleichzeitig arbeitende Zündbüchsen eingebaut. Die Zündspannung von 80 V Gleichstrom wird über einen Zündverteiler zugeleitet. Im Zündmoment, bei geschlossenem Stromkreis, wird durch einen elektrischen Schlagapparat (mit Weicheisenkern) der Hammer vom Amboß der Zündbüchse abgezogen und es entsteht ein kräftiger Lichtbogen (Abreißzündung). Der nach dem Zündmoment bei der Verbrennung des Gas-Luftgemisches entstehende Verbrennungsdruck von 2,5 MPa bewegt die Kolben. Die Zündfolge der Zylinderköpfe ist 1-2-3-4.

Die Maschine ist für eine Nennleistung von 2 MW ausgelegt, dabei beträgt der Gichtgasverbrauch 6-8000 Nm³/h. Auf Grund des hohen Alters der Maschine wurde die Leistung zuletzt auf ca. 1,2 MW heruntergesetzt bei einem Gasverbrauch von 4-5000 Nm³/h.

Schwungradgenerator
Die gleitende Bewegung der Kolben wird bei den Großgasmaschinen über Kreuzkopf, Pleuel und Kurbelwelle in eine Drehbewegung umgesetzt.
Das Schwungrad der Kurbelwelle ist als Polrad für den 6000 V Siemens-Schuckert-Generator ausgelegt. Es hat im Betrieb eine Drehzahl von 94 U/min. Der Generator ist mit 32 Polpaaren ausgerüstet, damit die 6 KV_Spannung mit einer Frequenz von 50 Hz = 100 Polwechsel/sek. (Normalauslegung der Erzeuger und Verbraucher) erzeugt werden kann.

Zur Erregung der Spannung innerhalb des Generators steht eine Erregermaschine zur Verfügung. Bei Betrieb der Maschine wird die Erregerspannung über Schleifringe an der Kurbelwelle auf die Pole am Schwungrad geleitet (Innenerregung).

Ein Fliehkraftregler, dessen Antrieb mit der Vorgelegewelle verbunden ist, hält bei 94 U/min in Selbstregulierung die Tourenzahl der Maschine zwischen +/- 3 Polwechsel konstant.

Hier wirkt der Regler mittels Federwaage und Gestänge auf die Regelklappen in den beiden Mischkästen ein. Die Kurbelwelle ist mit der Steuerwelle über Zahnräder und einer Vorgelegewelle im Übersetzungsverhältnis 2:1 verbunden.

Kühlung mit Umlaufwasser
Die KÜhlung der Zylinder, Zylinderdeckel, Auslaßgehäuse und Ventilkegel in den Auslaßventilen erfolgt durch Umlaufkühlwasser mit 0,2 MPa Druck. Zur Kühlung der beiden Kolben mit ihren Kolbenstangen wird dieser Kühlwasserdruck auf 0,5 MPa erhöht. Für die Kühlung werden pro Maschine ca. 100 m³/h Wasser benötigt. In den Wasserkreislauf sind 2 Kühltürme eingebunden.

Heiße Auspuffgase nutzen
die ausströmenden Auspuffgase der vier Zylinderköpfe werden in einer Auspuffleitung zusammengeführt und über das Dach ins Freie abgeblasen.
Um die im Abgas enthaltene Wärmeenergie zu nutzen, war bei der Gasdynamomaschine III wie auch bei den anderen Gasmaschinen ein Abhitzekessel in die Auspuffanlage zur Erzeugung von Sattdampf mit einem Druck von 10 atü (1 MPa) eingebaut.
Der durch die Abhitze aller 7 Gasmaschinen erzeugte Dampf speiste einen Turbogenerator mit einer Leistung von 1 MW.

 


Das letzte Reiseziel war das historische Bahnbetriebswerk in Arnstadt. Hier entstand 1895 ei nsechständiger ringförmiger Lokomotivschuppen, der nach und nach erweitert und ausgebaut wurde. Ab 1992 wurde das Bahnbetreibswerk zu einem Dampflokmuseum umgewandelt; hier wurden von der Deutschen REichsbahn alle Thüringer Museums-Dampflokomotiven zusammengezogen, somit sind heute hier 9 Dampfloks und 7 Dieselloks zu besichtigen und bewundern:

Leave a Reply